PRISM-Skandal: Microsoft und Kinect vs. NSA

Markus Henkel, Geodesist & IT Journalist | 7/25/2013 | 17 Kommentare

Markus Henkel


Das sind mal Meldungen aus Redmond. Microsoft will den Spionageverdacht gegen seine Spielekonsole Xbox One und Kinect wenn nötig vor Gericht ausfechten. Das Unternehmen will angeblich aggressiv gegen die US-Regierung vorgehen. So gilt der Kinect-Sensor der neuen Spielekonsole als mögliches Überwachungsinstrument der NSA.

Es ist zumindest eine Duftmarke, die aus Redmond nach Fort Meade, Maryland, zieht. Microsoft will sein derzeit auf die Probe gestelltes Image wieder aufpolieren und sein vermeintliches Überwachungsinstrument, die Kinect, gegen Abhörversuche der NSA schützen. Das geht aus einer aktuellen Meldung von The Verge hervor. Glaubt man den Kollegen, will der Software-Konzern alle Karten offen legen und bezüglich der Spionage-Vorwürfe im Zusammenhang mit PRISM zum Gegenangriff durchstarten.

Was bedeutet das für die Zukunft? Microsoft betont, sich öffentlich sowie vor Gericht solange zu wehren, bis alle juristischen Mittel abgeschöpft sind. Sprich, das Unternehmen werde sich gegen alle Versuche der US-Regierung wehren, Kinect-Daten in irgendeiner Form nutzbar zu machen. Dazu muss man wissen, dass in der vergangenen Woche der Guardian berichtete, dass Microsoft Regierungsbehörden die Erlaubnis gab, private Skype-Nachrichten und Video-Anrufe einzusehen. In der Praxis sollen über Kinect, wie zunächst vermutet, keine Gespräche noch Videos aufgezeichnet werden - solange diese nicht freiwillig hochgeladen werden. Sind sie hochgeladen, werden demnach die Rechtsanwälte von Microsoft die erwähnten Datensätze schützen.

Microsoft vs. NSA: ein aussichtloser Kampf?

Nachdem ein kleiner Shitstorm auf das Unternehmen prasselte, hat man den Ernst der Lage wohl erkannt. Das Unternehmen versicherte in mehreren Interviews, dass man nicht dabei helfen werde, die Kinect sowie die Xbox One freiwillig zum spionieren von Kunden der NSA zur Verfügung stellt. "Wenn es keine entsprechenden Gesetze gibt, werden wir juristisch und aggressiv gegen die US-Regierung vorgehen", so der Konzern. Und genau hier wird es spannend. Denn laut eines Berichts können sich Unternehmen kaum dagegen wehren.

Bereits kleinere Firmen werden unter Druck gesetzt – angeblich sogar wirtschaftlich. Und rechtlich gesehen bewegen sich die Geheimdienste noch nicht einmal in einer illegalen Zone. Denn betrachtet man die Anfragen strafrechtlich, darf beispielsweise das FBI nicht immer auf die Datensätze zugreifen. Die NSA dagegen beruft sich meist die FISA-Regeln; die wiederum einen solchen Zugriff erlauben.

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