Xbox One: Windows und Apps rücken zusammen

Markus Henkel, Geodesist & IT Journalist | 5/23/2013 | 10 Kommentare

Markus Henkel


Berührungsloses Navigieren durch Windows 8, Windows-Kernel in der Xbox One integriert? Noch lesen sich die neuen Features der neuen Konsole aus dem Hause Microsoft "gestenarm". Doch aktuelle Projekte zeigen, dass die Redmonder auf dem richtigen Weg sind. Und das eigene Betriebssystem Windows spielt dabei eine wichtige Rolle – wobei auch die Forschung davon profitiert.

Kollege Christoph Strobel hat das Thema bereits mit Leap Motion losgetreten. Dabei lassen sich über Windows 8 bereits alle Multitouch-Eingaben mit dem Finger durchführen, ohne dabei denselbigen auf dem Bildschirm zu legen. Natürlich befindet sich das kleine Gadget noch in der Testphase. Auch das dazugehörige Video zeigt sich nur von der besten Seite. Doch die Gestensteuerung, wie wir sie schon von der Xbox 360 und der Kinect kennen, nimmt auch langsam aber sicher unter Windows Gestalt an. Aber Kritik macht sich dahingehend breit. So gibt es das Projekt nicht erst seit gestern, einige warten seit Monaten auf die kleine Gesten-Box, und nichts passiert.

Business und Industrie können nur profitieren

Fest steht: Über die Gesten wird zukünftig Microsofts Betriebssystem und dessen Nachfolger steuerbar sein. Erst vergangenen Dienstag wurde die Xbox One vorgestellt. Und schon während der Präsentation war klar, dass das Unternehmen weiter an der Verschmelzung der einzelnen Systeme arbeitet - Desktop, Tablet sowie Smartphone sollen auch Xbox-Technik genießen können, und andersrum. Denn neben den Gesten und der Spracheinheit sollen beispielsweise Applikation aus der Windows-Welt auf der Konsole laufen.

Möglich macht das der Einsatz zweier virtueller Maschinen. Zum einen verfügt das Gerät über eine virtualisierte Gaming-Umgebung, ausschließlich für Videospiele. Zum anderen wurde ein Windows-8-Kernel berücksichtigt. Der Wechsel von der PowerPC-Architektur auf x86er-Prozessoren des Herstellers AMD macht es Entwicklern nun leichter, ihre PC-Spiele auch für die Xbox One zu veröffentlichen. Aber auch die herkömmliche Software, egal ob Smartphone, Tablet oder Desktop, soll so auf die Konsole projiziert werden. In Zukunft darf man davon ausgehen, dass diese Projizierung auch anderes herum funktioniert. Der Vorteil: Die Geräte verschmelzen immer mehr.

Speziell im Business-Segment können Applikationen entwickelt werden, die beispielsweise Präsentationen und Videokonferenzen mit nur einem Gerät möglich machen und dabei Gesten sowie Sprache berücksichtigen. Neben Spielen, Filmen, Internet, Skype Chats oder Musik sind also Windows-8-Apps das nächste große Ding auf der Konsole. Was andere Unternehmen seit Jahren versuchen, scheint Microsoft in kurzer Zeit umsetzen wollen? Und dabei werden die Kosten für die eigentliche Entwicklung von Software und kleineren Apps rapide sinken. Zudem können neue Spieletechniken in der Geschäftswelt Gefallen finden. Mit der Xbox One dürfen nämlich zwei Spieler zusammen auf unterschiedliche Art spielen. Beispielsweise einer am Fernseher, ein anderer am Smartphone oder Tablet. Da das Collaborate -Working immer beliebter wird, könnte das die Zusammenarbeit vielleicht sogar Cloud-technisch revolutionieren. Und wer sich mit Windows 8 einmal auseinander gesetzt hat, weiß, welches Potenzial in Sachen Business im OS steckt.

Ein Kernel, eine Plattform

Dabei ist die Xbox nicht nur in der Windows-Welt angekommen. Seit der Gestensteuerung Kinect forscht man intensiv mit den Sensoren und mittlerweile reagieren sogar Maschinen auf diese Art Gesten. Forscher haben, aus Kamera und Infrarotsensor, ein komplett neues Feld in der Robotik aufgetan. Wie das ausschaut beschreibt die Süddeutsche Zeitung: "Zwei Studenten aus Konstanz haben den Sensor auf einen Helm montiert und mit einem Vibrationsgürtel verbunden. Das 'Navi' getaufte Gerät erfasst die Umgebung und kann Blinde vor Hindernissen warnen, indem der Gürtel vibriert." Viele Roboter beispielsweise reagieren und hören bereits auf Gesten und Sprache - dabei hilft unter anderem die Kinect-Technik.

Die Zukunft wird zweifelsohne so ausschauen: Windows 8, Blue werden wahrscheinlich noch mit unterschiedlichen Kernels funktionieren. Die zukünftigen OS-Varianten aber arbeiten dagegen nur noch mit einem Kernel. Für Entwickler wird es ein leichtes Unterfangen, lediglich nur eine Plattform zu bedienen – und dennoch auf den unterschiedlichen Devices zu erscheinen. Die Forschung nebenbei schneller ans Ziel gelangen und kostengünstigere Lösungen für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen können. Denn "in dem Moment, wo die Technik in einer Spielkonsole steckt, purzeln die Preise“, so die Wissenschaft.

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