Microsoft Surface: enormes Potenzial in Sachen effizientes Arbeiten

Markus Henkel, Geodesist & IT Journalist | 8/30/2012 | 7 Kommentare

Markus Henkel


CEO Steve Ballmer ließ es sich im Juni 2012 nicht nehmen und eröffnete die Präsentation in Los Angeles zum Surface inklusive dem Betriebssystem Windows RT mit folgenden Worten: "Surface ist ein PC. Surface ist ein Tablet. Surface ist etwas ganz Neues." Kurz danach wurde es allerdings still um die Flunder. Pünktlich zur Internationalen Funkausstellung in Berlin, der weltweit größten Messe für Consumer Electronics, wagen wir einen Ausblick.

Microsoft braucht Surface. Warum? Das Tablet ist zweifelsohne ein wichtiger Schritt, um bei seinen Kunden einen "Haben-Reflex" auszulösen. Wird die Flunder ein Flop, scheitert auch das OS Windows 8 - Google und Apple hätten wohl nichts dagegen. Auch das Unternehmen Acer läuft mittlerweile Sturm und zweifelt am Hardware-Know-how aus Redmond. Auch viele Analysten sind der Meinung, dass die Redmonder ein hohes Risiko eingehen. Bei der Desktop-Variante (Windows 8) mag das vielleicht zutreffen. Zu neu und anders sind die integrierten Features. Surface, gepaart mit Windows RT sowie auf Wunsch mit Windows 8, zeigt allerdings, was die Konkurrenz die letzten Jahre nicht verstanden hat.

Verschmelzung von Content Consuming Device und Produktivitätsplattformen

So verschmelzen Desktop, Notebook, Tablet sowie Smartphone das erste Mal richtig miteinander. Und sind die App-Entwickler fleißig, wird es in Zukunft möglich sein, bekannte Office- und Desktop-Apps auf dem Tablet auszuführen. Ebenfalls erwähnenswert: Windows 8 sowie RT werden nicht ohne Datei- und Gerätemanager auskommen. Trotz erster Probleme bei der Bedienung wird speziell die RT-Variante dadurch wesentlich unabhängiger, ja fast schon autark. Android und iOS setzen dagegen lieber auf die Synchronisation via Cloud. Microsoft erlaubt beides.

Dazu Blogger Sascha Pallenberg:

"Wenn es Microsoft und Intel gelingt, entsprechende Designs anzubieten, welche die Grenze zwischen Content Consuming Device und Produktivitäts-Plattform verwischt, dann werden Tablets auf lange Sicht extrem erfolgreich sein. Bleibt die Frage, ob es dann noch Tablet-PCs im herkömmlichen Sinne sind oder wir letztendlich mehr und mehr Hybriden sehen. Halt, die gab es ja schon vor Jahren und nannten sich damals Netvertibles."

Bisher sind nur kleine Tests mit halb fertigen RT- oder 8-Versionen veröffentlicht. Die Kollegen äußerten sich bisher positiv über beide Systeme. Auf der IFA tauchen nun erstmals Geräte von Samsung und Sony auf, die mit vollwertigem OS ausgestattet sind. Sie lassen sich schon vor dem eigentlichen Verkaufsstart im Oktober oder November flüssig bedienen. Persönlich finde ich den Schritt mutig, den Internet Explorer 10 mit dem Feature "Do not Track", kurz DNT, standardmäßig auszustatten. Das Surfverhalten des jeweiligen Nutzers wird folgerichtig nicht mehr mit aufgezeichnet. Die Werbeindustrie ist natürlich "not amused", muss sich also in naher Zukunft etwas Neues einfallen lassen.

Optimismus pur

Wie IDC-Analyst Bob O'Donnell gegenüber CNET bekannt gab, lässt Microsoft für das Jahr 2012 mehr als drei Millionen Surface Tablets produzieren. Tief stapeln sieht meines Erachtens anders aus. Zudem wird das Unternehmen kräftig an der Surface-Tastatur verdienen. Ein Analyst der Citigroup ist sich sogar sicher, dass Microsoft hauptsächlich am "Touch Case" verdienen wird. Zurzeit spekuliert die Fachwelt noch über den Preis. 200 bis 300 US-Dollar werden für die einfache Version, 500 bis 600 US-Dollar für die Pro-Variante gehandelt.

Ich bleibe dabei, Microsoft wird die Verschmelzung von Desktop- und Tablet-PC schaffen, damit ist ein Erfolg des Betriebssystems und von Surface programmiert. Das Tablet bietet in Verbindung mit Windows RT und 8 enormes Potenzial in Sachen effizientes Arbeiten - aber nur, wenn der Preis stimmt.

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