Microsoft MOOC: App-Förderung mit positiver Nebenwirkung

Christoph Strobel, Chef vom Dienst | 6/15/2013 | 31 Kommentare

Christoph Strobel


Die Keynotes der vergangenen Tage haben das Thema Apps einmal mehr in den Fokus gerückt. Gerade mal sechs Jahre sind seit der Vorstellung des ersten iPhones vergangen, und es ist schon bemerkenswert, welche Normalität die mobilen Anwendungen in unserem Alltag und im Business seitdem erreicht haben. Auch wenn Apple der Pionierstatus nicht zu nehmen ist, hat Android den Markt noch einmal erweitert. Und auch Microsoft hat das Potenzial der Apps als Missing Link erkannt und mit Windows 8 eine weitere Plattform für Entwickler auf der ganzen Welt geschaffen.

Mehr noch: Microsoft hat gut Chancen, den App-Markt von hinten aufzurollen. Denn die Redmonder können auf einen Schatz zurückgreifen, den weder Apple noch Google in ihrer Geschichte angehäuft haben. Nach wie vor laufen über 90 Prozent der Desktop-Systeme weltweit mit Windows und ganz ähnlich verhält es sich mit Outlook und Office. Die Mobilisierung der etablierten Tools auf Smartphones und Tablets unter Beibehaltung der gewohnten Betriebssystemumgebung macht Windows 8 für Entwickler so spannend.

Auch wenn die rund 50.000 Apps im Windows Store noch Lichtjahre von den rund 900.000 Apps für iOS.000 und 800.000 für Android entfernt sind, ist das Potenzial unstrittig. Entwickler fokussieren auf diese drei Plattformen. Und Microsoft tut einiges, um die Lücke zu den anderen Systemen zu schließen. So wirbt Microsoft derzeit mit einem Prämienmodell. Noch bis Ende Juni sollen Entwickler für jede im Windows Store publizierte App 100 Dollar erhalten. Das Limit liegt allerdings bei 2.000 Dollar pro Entwickler.

Innovativer und vom Ansatz nachhaltiger ist die Schulung von Entwicklern für Windows 8. Dabei setzt Microsoft auf sogenannte MOOC (Massive Open Online Courses). Diese Kurse sind eine Kombination aus unidirektionalen Online-Kursen, die basierend auf dem Vorbild der Khan Academy eine große Verbreitung finden, und einer direkten Interaktion. An diesen kann eine Vielzahl von Teilnehmern ohne Zulassungsvoraussetzungen kostenlos über das Internet teilnehmen. Herrührend von universitären Einführungsvorlesungen an US-Universitäten, an denen dieser Trend Fahrt aufnahm, werden die Kurse über mehrere Wochen hinweg durchgeführt.

Am 20. Mai begann der erste MOOC von Microsoft Deutschland, in Kooperation mit denen Partnern IMC AG und dem Centre for e-Learning Technology CelTech, auf der Plattform Open Course World unter dem Titel "How to create a Windows 8 App“. Technische Experten von Microsoft vermitteln das praktische Wissen, welches von Hochschulreferenten, unter anderem der Universität des Saarlandes, der Hochschule Heilbronn und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), durch theoretische Hintergründe sowie Anwendungsszenarien umfangreich ergänzt wird. "MOOC eröffnet die einzigartige Chance, aktuelles Wissen von Top-Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft aus erster Hand zu erhalten", sagt Christoph Igel, Direktor von CelTech und ein Pionier des Mobile Learning. "Ein Muss für Studierende, Young Professionals sowie für alle Interessenten an innovativen Technologien und zeitgemäßer Software-Entwicklung."

Neben dem Kursmaterial und fortwährenden Lernzielkontrollen ist die Interaktion der Teilnehmer untereinander, die sich in Blogs, Online-Foren, sozialen Netzwerken, Wikis oder in einer persönlichen Lerngruppe abspielen kann, ein wesentlicher Bestandteil. Ein Einstieg in die Kurse ist auch nach Beginn jederzeit möglich.

Der große Vorteil: Mit den MOOC handelt Microsoft nicht nur im eigenen Interesse, sondern unterstützt auch noch den jeweiligen Wirtschaftsstandort bei der Fortbildung von Fachkräften. Denn wer heute als Software-Entwickler und IT-Professional mit der ständigen Verfügbarkeit neuer Technologien und Bandbreiten Schritt halten möchte, muss sich kontinuierlich weiterbilden. Zudem liegt in den neuen Trends wie Cloud und Apps, die zunehmend die Art und Weise bestimmen, wie wir digitale Inhalte konsumieren, ein großes Geschäftspotenzial, von dem Software-Entwickler von großen Unternehmen bis hin zu Startups und Studenten profitieren können.

Ein zweites MOOC mit Microsoft-Unterstützung ist auch schon in Planung und soll sich mit der Entwicklung von Spielen beschäftigen.

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