Browserauswahl: Mehr Gleichbehandlung für Apples iOS und AndroidMarkus Henkel, Geodesist & IT Journalist | 11/8/2012 |
Ein Wettbewerbsverfahren, geleitet von der EU, schaffte es 2009 in die Schlagzeilen. Microsoft wurde dazu verdonnert, alternative Browser in Windows-Systemen einzubetten. Mozillas Firefox und Chrome aus dem Hause Google schafften so den zügigen Aufstieg in die erste Browser-Liga. Nun droht dem Unternehmen aus Redmond eine Strafe in Millionenhöhe, weil ein Systemfehler genau diese Auswahl nicht ermöglicht. Warum allerdings bis heute nur Microsoft ins Visier der EU-Fahndung gerät bleibt unbeantwortet.
Seit Jahren diskutiere ich mit Kollegen darüber, warum bisher nur Microsoft hart angegangen wird, wenn es um die Implementierung des eigenen Browsers im hauseigenen System geht? Apple beispielsweise muss solchen Anweisung nicht Folge leisten. Warum eigentlich nicht? Laut der EU und natürlich nach langem hin und her gab sich Microsoft, wie beschrieben, geschlagen und platzierte neben seinem Internet Explorer auch andere surfende Konkurrenten. Der Kunde soll entscheiden. Eigentlich keine schlechte Idee. Warum allerdings andere Software-Hersteller nicht gleichziehen, entzieht sich meiner Logik. Keine Verbreitung ohne MicrosoftOk, damals hatte Microsoft tatsächlich eine extreme Machtposition. Die Reaktion der Konkurrenten war damals, ich betone damals, nachvollziehbar. Doch sollte die EU-Regelung weiterhin Bestand haben (sie ist zunächst auf fünf Jahre beschränkt), müssen iOS und Android ebenfalls einbezogen werden. Auch Kollege Alexander Ruoff teilt meine Ansicht: "Im Grunde müsste dies für alle Systeme mit bereits installiertem Browser gelten, also auch für OS X, iOS und Android. Eine Sonderstellung sehe ich hier nur bei Chrome OS, da der Browser quasi das OS beschreibt und einen alternativen Browser gibt es schlicht nicht." Die sogenannte BrowserChoice.eu gilt tatsächlich ausschließlich für die Redmonder. Warum diese Sonderstellung so wichtig für die Konkurrenz ist, zeigt der neueste Fall. Wegen eines technischen Fehlers wurde die Browserauswahl nicht angezeigt. Und eine Grafik auf dem Blog von Harvey Anderson zeigt im selben Zusammenhang anschaulich, warum etwa Mozilla auf Microsoft angewiesen ist. Durch den Ausfall der Anzeige sank die Anzahl der täglichen Downloads um satte 20.000 Einheiten. Mozilla spricht von 50.000 täglichen Downloads. Im Zeitraum vom 1. Februrar 2011 bis zum 1. Juli 2012, so lange dauerte die Deaktivierung der Browserauswahl an, spricht Anderson von knapp neun Millionen weniger Downloads. Nachdem Microsoft die Auswahl wieder zur Verfügung stellte, stieg auch wieder die Download-Rate in gewohnte Höhe. Zur Info: Microsoft selbst hatte den Fehler gemeldet. Insgesamt spricht das Unternehmen von insgesamt 28 Millionen Systemen, die ohne den von der EU vorgeschriebenen Browserauswahl-Bildschirm ausgeliefert worden sind. Von drakonischen Strafen ist die Rede. Kein Schutz für Apples iOS, OS X und AndroidAuch deswegen argumentiert die EU, dass eine solche Monopolstellung in Sachen "Betriebssystem und PC" zu vermeiden sei. Ein Argument, welches allerdings auf andere Mitstreiter heutzutage kopiert werden muss. Apple beispielsweise: Das Unternehmen aus Cupertino, darf sich wahrscheinlich wegen des kleineren Marktanteils im PC-Segment noch geschützt austoben. Doch im mobilen Sektor gibt das Unternehmen sehr wohl den Ton an, zumindest jetzt noch. Die EU möge also mal versuchen, auf einem iPad oder iPhone einen anderen Browser als Standardbrowser auszuwählen. Apple geht sogar noch einen Schritt weiter. Nach langem Zögern durften Nutzer endlich den beliebten Browser Chrome auf die Flunder spielen. Besonderheit: Apple untersagt den Entwicklern die aktuelle JavaScript-Engine zum Einsatz zu bringen. Alternative Browser sind, dank Apples Angst-Richtlinien, noch auf die veraltete Mobile Safari/Webkit-Engine angewiesen. Eine entsprechende Auswahl sucht man natürlich auf dem OS X ebenfalls vergebens. Sei es drum. Das Drumherum ist mehr als fragwürdig. Aber auch Android sollte, wenn es denn auch in Zukunft eine solche Regelung geben sollte, einbezogen werden. Auch wenn die Nutzer des offenen OS in der Regel keine Hinweise für Browser-Alternativen benötigen. So nutzen sie bereits individuell die zahlreichen Surfhilfen. Microsoft hat allerdings zum besagten Zeitraum reagiert und gelobte Besserung. Für Windows 8 kam die Lösung bereits im September 2012 via Update in der Testphase. Aktueller Lösungsvorschlag aus Redmond: Man könne gerne den Zeitraum für die Auflagen verlängern - dann aber bitte inklusive iOS, OS X sowie Android. Kommentieren | Drucken | RSS
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