Microsofts Zahlen: Durchatmen vor dem NeustartChristoph Strobel, Chef vom Dienst | 1/25/2013 |
An Windows 8 hat es nicht gelegen. Das ist die überwiegende Meinung zu den Zahlen, die Microsoft für das vierte Quartal 2012 am Donnerstag dieser Woche vorgelegt hat. Trotz eines Umsatz-Plus von 2,7 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro, sank der Gewinn um 3,7 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar. Das reichte zwar nicht, um einen ähnlichen Kursrutsch wie tags zuvor beim Konkurrenten Apple auszulösen, aber im nachbörslichen Handel sackte die Aktie dennoch ab und konnte sich auch während der Schaltkonferenz, auf der Finanzchef Peter Klein sich den Fragen der Analysten stellte, nicht fangen.
Diese Reaktion zeigt das Dilemma, in dem sich die IT-Firmen derzeit befinden. 2012 war von Weiterentwicklungen geprägt; es gab kaum Innovationen, die das Zeug für Visionen haben. Evolution statt Revolution stand auf dem Programm. Keine Frage: Für Microsoft ist Windows 8 ein großer Schritt nach vorn, hinein in die Post-PC-Ära, die Apple bereits 2010 mit dem iPad eingeläutet hatte. Das belegen auch die ansehnlichen Verkaufszahlen des Systems: Der gesamte Windows-Umsatz stieg um elf Prozent. Microsoft lizenzierte dabei mehr als 60 Millionen Kopien von Windows 8. Die neue Plattform ist als Baustein eines großen Umwälzungsprozesses zu sehen, den Microsoft angestoßen hat. Wer meint, das sei viel zu spät geschehen, der verkennt die Liga und die Marktdurchdringung, die die Redmonder im Auge haben müssen. Noch arbeiten über 90 Prozent der Systeme weltweit unter Windows, die meisten unter Windows 7, rund 30 Prozent noch unter Windows XP. Während Windows XP ein designiertes Auslaufmodell ist, fehlen Windows 7 die Möglichkeiten, um auch mobilen Geräten bestehen zu können. Windows 8 schafft den Spagat und gilt zusammen mit dem Surface als Schlüssel für die Zukunft: Software und Hardware aus einem Haus. "Bei dieser Transformation", sagt Microsoft-CFO Peter Klein, "ist es wichtig, dass wir das gesamte Ökosystem mit uns bringen." Windows 8 sei ein ambitionierter Neuansatz, das Quartal ein erster Schritt. Solche Umwälzungen brauchen Zeit. In diesen Dimensionen sind die aktuellen Verkaufszahlen des Surface nur für die Statistik interessant. "Sie wollen das nicht sagen, weil es nicht eindrucksvoll sein wird", sagte Tech-Analyst Patrick Moorhead. Nach Berechnungen der Werbefirma Chitika bestritt das Surface Anfang Dezember gerade mal 0,13 Prozent aller Tablet-Verkäufe. Die Tech-Website "The Next Web" meldete, über Weihnachten habe Microsoft nur eine Million Surfaces verkauft - keine Konkurrenz für Apples iPad oder Amazons Kindle Fire. Aber ist das vergleichbar? Beide Geräte profitieren bereits von den Synergien eines eigenen Ökosystems. Microsoft ist erst seit einigen Wochen dabei, den eigenen App Store zu füllen beziehungsweise mit der Initiative myApp befüllen zu lassen. Mit Erfolg: Bereits mehr als 20.000 Apps sind verfügbar. Die Entwickler haben verstanden. Seit Jahresbeginn ist es quasi selbstverständlich zu iOS und Android auch die Windows-8-App zu entwickeln. Der nächste Schritt? Microsoft wird sich ausgerechnet haben, dass Zug um Zug die Unternehmen und Organisationen bei der Mobilisierung ihrer Mitarbeiter-Identitäten eher auf das weitverbreitete Windows setzen werden als auf systemfremde Mobilplattformen. Dann steht dem Erfolg von Windows 8 und dem Neustart von Microsoft nichts mehr im Wege. Kommentieren | Drucken | RSS
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